Gerhard Wegner Wirtschaft

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„Der Neoliberalismus entspricht den Wünschen großer Teile der Bevölkerung. Deswegen ist er aber noch lange nicht zukunftsfähig.“

„Es muss Wege geben, Gier und Maßlosigkeit, wenn man sie schon nicht direkt bekämpfen kann, denn doch wenigstens in gesellschaftlich sinnvolle Kanäle zu lenken: ‚channelling greed‘. Dazu braucht es notwendigerweise kluge Kompromisse zwischen dem, was ökonomisch notwendig und was ethisch tragfähig ist. Jedenfalls sind Anreize, damit hohe Leistung in der Gesellschaft erbracht wird, unbedingt nötig. Die pauschale Gleichheit aller Gehälter würde Anreize verschwimmen lassen und auch das Zurechnen von Verantwortlichkeit schwieriger machen. Aber die heutigen extrem hohen Abstände ziehen ungesunde Strukturen in die Betriebe hinein, die letztlich auch die Produktivität zerstören.“

(Soziale Gerechtigkeit) 

„Deutlich wird an dieser Urerzählung (i.e. Luther) von der Entstehung der Berufsidee etwas, was sich in vielfacher Weise bis heute durchhält: und zwar, dass der Beruf sehr viel mehr ist, als nur ein wirtschaftlicher Tatbestand. Wenn man Arbeit als Beruf organisiert, dann fließen weitaus mehr und vollkommen andere Interessen ein, als es eine sozusagen rein ökonomische Organisation von Arbeit bzw. arbeitsbezogener Lebensbewältigung notwendig machen würde. Und auch wenn sich in den nach Luther folgenden Jahrhunderten erst wirklich der die Moderne begründende Übergang von einer Standesorganisation des Berufs hin zu individualistischen Berufsauffassungen vollzog, so impliziert die Berufsform von Arbeit stets eine ‚Kopplung von Moral und Ökonomie‘ bzw. – dieses verwirklichend – stets auch eine ‚Kopplung von Erziehung und Ökonomie‘. Zu dem, was herkömmlich als berufsbegründend verstanden wird, nämlich eine spezifische Kombination von Qualifikationen bzw. der ‚Spezialisierung und Kombination von Leistungen einer Person‘ (Max Weber), gehört folglich von vornherein immer auch eine ethische Einkleidung. Sie kommt klassisch in der Vorstellung einer Berufsehre oder allgemeiner bürgerlicher Ehrvorstellungen zum Ausdruck. Und sie steckt selbstverständlich auch in einer spezifischen Arbeitsethik, die bis heute auf einer im Zweifel selbstverantworteten Qualität und einem entsprechenden Autonomiespielraum beharrt. Wer nicht nur arbeitet, sondern einen Beruf hat, ist folglich für die Ergebnisse seiner Arbeit immer auch selbst verantwortlich und kann sich nicht nur auf Wünsche der Kunden oder Anweisungen der Vorgesetzten hinausreden. 

Darin liegt ein spezifischer Eigensinn des Berufs, der in der Geschichte der Entwicklung der Arbeit in der Moderne zum einen zur Produktivitätsentwicklung nötig gewesen ist und es weiter bleibt, aber zum anderen auch ein Hindernis der totalen Instrumentalisierung darstellte und deswegen in besonders mechanischen und kontrollierten Arbeitsgestaltungen, wie zum Beispiel dem Taylorismus und Fordismus, mit drastischen Mitteln zu eliminieren versucht wurde. Immer dann wurde vom ‚Verlust des Berufs‘ und von der ‚Entberuflichung der Arbeit‘ gesprochen – mit entsprechenden Folgen, was vor allem den Verlust von Arbeitsmoral und Ethik aber auch überhaupt von Sinn in der Arbeit anbetraf. Sofern folglich von einem qualitativ tragenden Sinn des Berufs gesprochen wird, so gilt, dass in ihm die Objektivität der Gesellschaftsstruktur mit der Subjektivität der Arbeitenden nicht nur in einem zweckrationalen, sondern stets auch einem moralisch kulturellen Sinn zusammenfließt. Auch dies gilt durchaus bis heute und insofern stellt der Beruf nach wie vor eine die funktionale Differenzierung der Gesellschaft durchaus überschreitende integrative Institution dar, die nicht zuletzt zugunsten einer allgemeinen Rede von Arbeit als solcher nicht vernachlässigt werden sollte.“

(Von Luther zur Employability)

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