Gerhard Wegner Sozialethik

Sozialethik

Sozialethik

„Wir gehören uns nicht selbst. Wir sind Geschenke Gottes. Am Ende geben wir ihm dieses Geschenk zurück.“ 

„Im christlichen Glauben werden, wie wohl in jeder Religion, nicht nur im engeren Sinne religiöse, d. h. in diesem Fall auf einen transzendenten Gott oder Christus bezogene Vorstellungen tradiert, sondern auch Normen und Werte entwickelt, die das alltägliche, ‚weltliche‘ Leben der Menschen beeinflussen. Beide ‚Welten‘ fließen ineinander. Werden derartige Grundannahmen, Normen und Maxime systematisiert, bilden sie eine Ethik bzw. Sozialethik. So stellt beispielsweise die Evangelische Sozialethik heute einen ausdifferenzierten, wissenschaftlichen, universitär verankerten Argumentationsbereich dar. Dabei verortet sie sich ausdrücklich im Kontext christlicher Religiosität; gleichwohl liegt ihr praktisch erfahrbarer Zusammenhang mit gelebter Religiosität nicht immer auf der Hand. Nicht selten gewinnt man den Eindruck, dass es mehr um die reine Argumentation geht, in der spezifische Wissensbestände als solche weitergegeben werden, – und weniger um die Bezüge auf lebendige Erfahrungszusammenhänge. Polemisch gesagt: Der Gott der Sozialethik argumentiert mit den Menschen. Wenn es gut geht, sehen diese dann ein, dass er Recht hat, und verhalten sich entsprechend. Von gelebter religiöser Erfahrung ist das aber weit entfernt. Da das Wirken Gottes ohnehin immer weniger plausibel ist, drängen sich andere Argumentationsmuster in den Vordergrund und ‚Gott‘ kann leicht zu einer Restfunktion werden – auch in protestantisch sozialethischen Diskursen. Wie lässt sich das Verhältnis von religiöser Erfahrung, gelebtem Glauben und sozialethischem Diskurs heute produktiv konstruieren?“

(Ex: Kraftfelder des Geistes, 2019)

You don't have permission to register