Gerhard Wegner Sozialraum

Sozialraum

Sozialraum

„Im Sozialraum kann sich Kirche wie ein NGO geben, obwohl sie keine ist.“

„Pointiert auf den Punkt gebracht lauten die Fragen für die Kirche (aber auch für den Sozialraum insgesamt) nun: Wie können (die letztlich) religiösen ‚Ressourcen‘ für Sozialraumgestaltung, d. h. für die Gestaltung von Lebensqualität im Gemeinwesen nutzbar gemacht werden? Welche Rolle haben diese ‚Ressourcen‘ überhaupt? Oder noch anders: Welche Funktion hat religiöse Kommunikation für die räumlich verortete Selbstwirksamkeit der Menschen? Kann Religion z. B. im Blick auf etwas, das es für die human-gerechte Neugestaltung von Sozialräumen unbedingt braucht, nämlich das von Schulz-Nieswandt so genannte ‚transzendental‘ vorgängige Human(start)kapital, eine Rolle spielen? Damit ist gemeint: Sozialkapitalgenerierung braucht ‚personale Haltungen, die von einer gelebten positiven Anthropologie des Vertrauensvorschusses, der Geduld, der längeren Zeithorizonte, einer rechten Mischung aus Eifer und Gelassenheit, von Erwartungsanspruch und Vergabebereitschaft im Fall von Scheiternsrisiken und Entwicklungskrisen gekennzeichnet ist‘. Schulz-Nieswandt bezieht sich dabei nicht auf Religion und Kirche. Tatsächlich ruft er sie faktisch mit diesen Formulierungen aber herbei.

In England wird eine entsprechende Diskussion unter dem in Deutschland sicherlich schwer verständlichen Begriff des ‚Faith Capital‘ oder des ‚Faithful Capital‚, also des ‚Glaubenskapitals‘, geführt.  Von ihr lässt sich zumindest lernen, dass es sich lohnt, die eigenen spezifischen Wirksamkeiten selbstbewusst und offensiv in die Debatte einzubringen und nicht so zu tun, als seien die Kirchengemeinden eine Organisation wie alle anderen auch. Sie sind natürlich Teil der Community des Stadtteils, sind aber zugleich auch immer von ihrem religiösen Selbstverständnis her etwas, was sich vom Stadtteil unterscheidet, ja ihm vielleicht sogar (virtuell) gegenüber steht. Jedenfalls kann ihr Bezugspunkt nicht ausschließlich die soziale Logik des Zusammenlebens im Stadtteil sein, so sehr sie an seiner Gestaltung mitwirken. Gerade als Provider ‚transzendentalen‘ Vertrauenskapitals aktualisieren sie immer auch geradezu ‚jenseitige‘ Bezüge auf das Handeln Gottes.“

(ex: Gerhard Wegner, Wirksame Kirche, Leipzig 2019)

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