„Die anderen“: Religiöse Menschen

„Die anderen“: Religiöse Menschen

So der generalisierte Blick auf alle. Aber nun gibt es noch – wie eben schon angedeutet – die „anderen“, diejenigen, die sich selbst als religiös einstufen. Der Blick auf die Charts dokumentiert einige ihrer Charakteristika. Insgesamt sind es etwa 19 Prozent der jüngeren Menschen – also gar nicht mal so wenige. Wobei man aber gleich sehen muss: Unter ihnen ist der Anteil der jüngeren Muslime überproportional hoch. Während sie insgesamt etwa 6 Prozent Bevölkerungsanteil in unserem Panel aufweisen, stellen sie gut 20 Prozent der Religiösen! Unter den volkskirchlichen Mitgliedern umfassen sie etwa 19 Prozent. Allerdings teilen die Religiösen viele der Orientierungen aller, was z.B. die Rolle der Familie, von Arbeit und Freunden anbetrifft, und äußern sich im Blick auf das Ich zwar deutlich weniger entschieden (72 Prozent gegenüber 84 Prozent bei allen,) aber immer noch ganz überwiegend zustimmend. 25 Prozent finden es wichtig, etwas zu haben, an das man glaubt. 

Ansonsten glauben 69 Prozent an Gott (24 Prozent aller), wenn auch nur 19 Prozent an einen personifizierten Gott. 45 Prozent stehen zu ihrem Glauben und 38 Prozent vertrauen auf Gott in schwierigen Situationen. Bei 25 Prozent spielt der Glaube im Alltag eine Rolle und 26 Prozent haben das Gefühl, dass Gott in ihrem Leben eingreift. In allen diesen Aspekten findet sich bei der großen Mehrheit der Nicht-Religiösen kaum etwas an Zustimmung: Die Differenz ist folglich deutlich. Allerdings erreicht auch bei den Religiösen nur der Glaube an Gott eine deutliche Mehrheit an Zustimmung,  alle anderen Angaben erreichen nur Werte unter 50 Prozent der Religiösen! Zudem:  Nur 17 Prozent von ihnen fühlen sich in eine Kirchengemeinde eingebunden, was allerdings der fluiden Lebenssituation geschuldet sein mag. 

Einer näheren Erhellung der Situation dienen die Gespräche in den vier Fokusgruppen, die insgesamt erstaunlich große Übereinstimmungen untereinander und mit der quantitativen Studie zeigten. Die Zusammenfassungen der Diskussionen belegen es deutlich. In ihnen trafen sich Menschen, die zumindest bis vor Kurzem der Kirche angehörten und eine „mittlere Verbundenheit“ mit ihr aufwiesen. Die Familie bleibt auch hier im Fokus an erster Stelle und in ihr „Ich selbst“. Die Selbstperspektive dominiert: Man soll und kann sein Leben selbst steuern; Schutzengel sind gut, aber ansonsten ist das Leben offen und nichts vorherbestimmt. Kirche und Religion bieten aktuell wenig Anknüpfungspunkte. Fragt man aber ausdrücklich nach dem eigenen Glauben, so wird in diesen Gruppen dennoch eine stärkere christliche Verankerung deutlich, die oft in der Familie ihren Ausgangspunkt hatte. Der Glaube ist dabei aber ihre sehr individuelle, ja innere Angelegenheit: Es findet so gut wie kein Austausch über den eigenen Glauben statt. Er zeigt sich im „Selbstgespräch“: In Gebeten, im Nachdenken über religiöse Themen. Öffentlich wird er so gut wie nicht. Damit wird hier Religion endgültig unsichtbar – etwas, was lange vorausgesagt und in der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD bereits angekündigt werden konnte.

You don't have permission to register